Raúl de Zárate

Raúl de Zárate - "Die Dosis“

30.06. - 30.07.2011 - Galerie mbf-kunstprojekte

Text: Markus Braun Falco

Rául de Zárate plante sein Leben als Akademiker und Naturwissenschaftler. Geboren und aufgewachsen in Cienfuegos, Kuba, begann er seine Hochschulzeit mit dem Ingenieurstudium der Mechanik und wechselte nach einem Jahr zu den Fächern Nukleartechnik und Ökonomie. Kurz vor seinem Abschluss 1992 wurde er wegen oppositioneller Aktivitäten der Universität verwiesen und kurze Zeit später seines Heimatlandes. In Berlin gestrandet, begann setzte er sein Leben als freischaffender Künstler fort. Seine aktuelle Ausstellung „Die Dosis“ reflektiert in unterschiedlichen Selbstbildnissen auf die Gefühlszustände des Verstoßenen, der im Exil sein verpatztes Leben neu zu organisieren und strukturieren versucht und sich dabei zwischen traumhaften Wahnvorstellungen und Existenzangst verliert. Die Bilder neben Bezug auf Rául de Zárate jüngsten Kurzfilm „Das Signal“, in welchem er den suchenden Künstlers darstellt. Der Film ist Arturo González Dorado gewidmet, einem Kubanischen Literaten, welcher durch seine oppositionelle Haltung und Schriften inhaftiert wurde. In seinen Werken kommt der Verlust an Freiheit, die Vernichtung der Individualität und die daraus resultierende idealisierte Zukunft, die Unsicherheit über die eigene Existenz und die Sehnsüchte und Leiden des Enttäuschten zum Tragen. Bereits der erste Film von Rául de Zárate, „Before the day comes“, nahm zu einem Kubanischen Poeten und Dissidenten Bezug auf, nämlich zu Reinaldo Arenas autobiographischem Roman „Before Night Falls/Antes que anochezca“, den Julian Schnabel im Jahr 2000 verfilmte. Die Komplexhaftigkeit der menschlichen Existenz, Thema seines zweiten Films „Beyond the impulse“, ist für Rául de Zárate ein Grandiosum, welches er versucht, für sich zu erkennen und zu verstehen. Rául de Zárates Bilder und Filme zeigen, daß existentialistische Fragen und Themen auch im 21. Jahrhundert ihre Berechtigung finden, eventuell sogar mehr als wir uns zugestehen wollen.

-

Raúl de Zárate - "Die Haut die mir die Nacht schenkt“

26.07. - 30.08.2008 - Galerie mbf-kunstprojekte

Text: Markus Braun Falco

"Man sieht nie das Ganze, sondern nur eine Seite, also bestenfalls die halbe Wahrheit (...) Die Silhouette sagt sehr viel mit sehr wenig Information“ (Kara Walker über Scherenschnitte).

Ähnlich verwendet Raúl de Zárate in seinen Arbeiten die Silhouette schwarzer Figurationen als Traumfragmente, die scheinbar schwebend in locker ineinander gestaffelte Farbfelder aus freudig bunten Wellenformationen gesetzt sind. Während die farbfrohen Raumstrukturen an Formmuster der Hippie-Bewegung der 68er Generation erinnern und die Atmosphäre eines Karibikurlaubs mit Flower-Power-Lebenslust transportieren, entpuppen sich die Schattenelemente als teils rationale teils irrationale Motive, die gerade in ihrer unschlüssigen Kombination rätselhafte, oftmals auch schaurige Geschichten zu erzählen versuchen, deren Hintergründe und Zusammenhänge jedoch stets verdeckt bleiben. So sieht man eine Frau, die mit ihren Händen einen Totenkopf gegen ein Gehirn abwiegt; ein menschlicher Torso mit Spechtkopf; ein Elefant neben Hanfblättern, ein Cowboy neben Krokodillzähnen, zerrissene Gliedmaße und im Nichts verlaufene Köpfe, aber auch gelegentlich Schattenmenschen in vergnüglichen Momenten, und immer wieder den Totenkopf.

Raúl de Zárates Traumdarstellungen weisen auf die Ängste und Sehnsüchte, Erinnerungen und Wünsche hin, die Nacht auf Nacht in jedem von uns Menschen mal mehr mal weniger bewusst sich im Schlaf als gelebte Geschehen wiederholen, die realitätsbezogen sein können, doch meist dem kausal-logischen Denken entfremdet sind und nach dem Erwachen nur noch bruchstückhaft bewusst werden. Die Mischung aus Alptraum und Ersehntem mag immer wieder von autobiographischen Elementen des aus Kuba nach Deutschland ausgewanderten Künstlers gespeist sein, die sich um die fundamentalen Fragen der Existenzialität drehen, sowohl materiell wie ideologisch, damit aber gleichzeitig für jedermann Bedeutung entfalten kann.

-

Raúl de Zárate - "Die Umstände des Traumes" (La circunstancia del sueno) - Malerei

September 3 - October 8, 2005

Raúl de Zárate - "Die Umstände des Traumes" - Malerei Artbuero Berlin Ldt. – Galerie Auguststraße 72, 10117 Berlin Ausstellung 03.09.05 bis 09.10.05 Eröffnung am Samstag, 03.09.05 19.00 – 21.00 Uhr um 20.00 Uhr spricht Freddy A. Rodríguez, M.A., über die Malerei de Zárates. Der Künstler ist anwesend.

In unseren Träumen begegnen uns Wünsche, Sehnsüchte und Ängste in Form von Bildern, die wir in unserem Unterbewusstsein verbannt glaubten und die uns als Fragmente eines verborgenen Lebens erscheinen. In dem Maße jedoch, in dem wir uns an unsere Träume erinnern, befähigen wir uns Zusammenhänge zu begreifen, diese Bilder zu entschlüsseln und die Umstände unserer Träume zu beleuchten.

Raúl de Zárate (geb.1969 in Cienfuegos, Kuba; lebt u. arbeitet in Berlin) stellt diese Umstände des Traumes durch unterschiedliche Bilder, Motive und Symbole dar. Von verorteten Träumen, Reisen, Visionen, Sehnsüchten und Erinnerungen erzählen die Werke de Zárates, eines kubanischen Künstlers, der auf einer Kreuzung von Raum und Zeit, zwischen Hier und Dort, zwischen Vergangenem und ersehnten Zukünftigem lebt.

Seine Arbeiten sind innere Reflexe auf seine Umwelt und stellen den Spannungsbogen einer unbewussten Dynamik zwischen Phantasie und Wirklichkeit, Traum und Realität, Irrationalem und Rationalem dar. Rätselhafte Symbole und verfremdete Porträts bewohnen seine surrealistischen Himmelslandschaften, die beim kundigen Betrachter starke Assoziationen auslösen.

Auf einer Luftmatratze liegend schwimmt die schlafende Figur in de Zárates Werk Die Umstände des Traumes, 2003 in einer bizarren Landschaft zwischen Himmel und Meer. Ein vergittert wirkender Himmel scheint den Träumenden daran zu hindern, aus seinem Schlafzustand zu erwachen. Einsam und mit ausgestreckten Armen lässt er sich von den aufgewühlten Gewässern treiben, als ob es für ihn kein Entkommen mehr gäbe, als ob jeder Fluchtversuch zum Scheitern verurteilt wäre. Das Bild erzählt von einem Traum, einem Alptraum von Gefangenschaft und Flucht, der kein Ende findet und ihn immer wieder, stets aufs Neue, in einen Zwischen-Zeit-Raum versetzt.

Vision, Traum, Sehnsucht und Erinnerung erscheinen ihm in seinem Bild Tenerte (Dich besitzen), 2005 in Form eines Mischwesens aus Krokodil und Frau. Die Begegnung des träumenden Künstlers in einer blau gefärbten Wolkenlandschaft mit der nackten und sinnlich wirkenden Erscheinung der Krokodilsfrau ist von einer starken Sehnsucht nach seiner Heimat geprägt. Die Morphologie der kubanischen Insel, lang und schmal, erinnert an ein in karibischen Gewässern schwimmendes Krokodil. Diese zoomorphe Metapher für seine Heimatinsel Kuba erscheint im kubanischen künstlerischen Diskurs der 1990er-Jahre als ikonografisches Motiv, das mit kultureller Identität und Zugehörigkeit in Verbindung gebracht wird. Die Insel, einst Ursprungsort der Flucht des Künstlers, erscheint ihm in seinem Traum als Verkörperung seiner Sehnsucht und als Vision seiner Begierde, die ihn zu einem erotischen Spiel zu verführen versucht.

Es ist der heterotopische Zustand eines verorteten Träumers, den de Zárate in seinen Arbeiten zu beschreiben versucht und zu diesem Zweck lässt er den Traum an seinem Leben teilhaben. Es bleibt offen wie dieser Traum endet – falls er endet.

Text: Freddy A. Rodríguez, M.A.

Kunstgeschichte Universität Havana, z.Zt. Doktorand an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe bei Prof. Dr. Hans Belting; Dissertationsprojekt zum Thema "Exil als Heterotopie. Die kubanische Kunst am Ende des 20. Jahrhunderts". Er wohnt seit 4 Jahren in Berlin.